Dienstag, 28. Januar 2020

Rechten eine Bühne bieten?

Am gestrigen Tag, dem 75. Jahrestag der #Befreiung des KZ #Auschwitz, twitterte unsere Rektorin Anja Steinbeck der HHU folgendes: »Weil man es nicht oft genug wiederholen kann: "Ich möchte klar und deutlich sagen: Rechtes Gedankengut ist gefährlich und auf das Höchste zu Verurteilen, der Kampf gegen Rassenhass und Antisemitismus ist eine unserer vordinglichsten Aufgaben."....aus meiner Neujahrsrede.«


Grundsätzlich ein Statement welchem man zustimmen könnte. Doch leider wirkte es nicht ganz so klar in besagter Neujahrsrede.



Sie plädiert dafür auch rechte und "unbequeme" Ansichten an der Universität anzuhören. Das alles vor dem Hintergrund politischer Ausgewogenheit und der Entkräftung rechter Argumente in einer offenen Diskussion. Wörtlich heißt das dann so: "Es ist ein Gebot der rhetorischen Logik, dass ich Ansichten nur dann entgegentreten kann, wenn ich ihre Argumente kenne"
Aber muss man Rechten eine Plattform bieten, um ihre Argumente zu kennen? Haben diese Leute überhaupt ein Interesse an einer ausgewogenen Diskussion?
Innerhalb der neuen Rechten ist die Meinungsfreiheit der bürgerlichen Demokratie nur ein Mittel zum Zweck, Diskussionen nur eine Bühne den politischen Gegner mit absurden Vorwürfen in die Ecke zu drängen und das gesellschaftlich Sagbare immer weiter auszuweiten. [1] Diese Form der "Metapolitik" wie sie es nennen läuft letzten Endes darauf hinaus die liberale Demokratie mit ihrer Meinungsfreiheit, die Frau Steinbeck angeblich so schätzt, abzuschaffen. Daraus machen sie auch keinen Hehl.

An der HHU gibt es ein weites Angebot an Seminaren und Vorlesungen, die man besuchen könnte um die "Argumente" kennenzulernen. (Als Beispiel: Seminar "Rechtsextremismus" WiSe19/20, "Neofaschismus & Rechtspopulismus" WiSe 19/20). Diese kann Frau Steinbeck ja besuchen und sich fortbilden.

#niewieder #noAFD

Die Rede: https://www.uni-duesseldorf.de/home/fileadmin/redaktion/Oeffentliche_Medien/Presse/Pressemeldungen/Dokumente/2020_0122_NJE_Rede_Rektorin.pdf
(aus: https://www.uni-duesseldorf.de/home/startseite/news-detailansicht-inkl-gb/article/politik-gehoert-an-die-unis.html )

[1] https://www.belltower.news/alter-rassismus-in-neuem-gewand-die-neue-rechte-76921/

Mittwoch, 22. Januar 2020

Kurze Frage zwischendurch

Uns Linken wird gerne von konservativen und Liberalen vorgeworfen so voll "ideologisch" zu sein. Sie selbst sind natürlich der Hort "pragmatischer" und "unideologischer" Politik.

Das ist natürlich Unfug und hier ist ein gutes Beispiel aus der FAZ.NET - Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Frage ist so gestellt, als sei es ein Sakrileg dieses natürliche, den menschlichen Bedürfnissen am besten entsprechendste Wirtschaftssystem aller Zeiten in Frage zu stellen.
Der Artikel, aus dem die Grafik stammt berichtet, dass 55% der Deutschen nicht glauben, dass der Kapitalismus ihnen nützt. Dem geneigten FAZ Redakteur natürlich völlig unverständlich.



 


https://www.google.com/amp/s/m.faz.net/aktuell/wirtschaft/weltwirtschaftsforum/trust-barometer-deutsche-zweifeln-am-kapitalismus-16592016.amp.html


Was hat diese Frage jetzt mit Ideologie zu tun? Sie zeigt wie sehr die Ideologie des "Endes der Geschichte", also der vollständige Sieg des Kapitalismus sich in den Köpfen von Liberalen festgesetzt hat. Grundlegende Kritik oder ein Ende des Kapitalismus sind einfach unvorstellbar geworden. Sie haben Konkurrenz, Selbstoptimierung und Egoismus als vermeintlich natürliche menschliche Eigenschaften verinnerlicht.

Selbst die existenziellen Bedrohungen durch den Klimawandel oder seine permanente Armutsproduktion werden entweder geleugnet, oder als "alternativlos" hingenommen.

Beides ist falsch. Der Kapitalismus ist weder natürlich noch alternativlos. Er ist von Menschen geschaffen und kann auch von Menschen abgeschafft werden. Lasst uns daran gemeinsam arbeiten!

Zur Ideologie des Neoliberalismus:
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/die-idee-die-die-welt-verschlang

Sind Menschen natürliche Egoisten?
https://www.heise.de/tp/features/Das-verzerrte-Menschenbild-im-Kapitalismus-4411992.html