Mittwoch, 4. Februar 2015

Feminismus im Pott: Frauen auf der Flucht

Mit freundlicher Genehmigung von SUPER CUTE SUPER KAWAII dürfen wir diesen Bericht veröffentlichen:

Feminismus im Pott ist eine junge Initiative. Obwohl der Vortrag zu Lebenssituation Geflüchteter aus feministischer Perspektive ihre erste Veranstaltung war, war der Raum im Sozialen Zentrum Bochum voll.

Souverän trug Antonia die allgemeinen und geschlechterspezifischen Fluchtgründe sowie die Fluchtbedingungen und die Situation in Deutschland von Geflüchteten vor. Auch wenn insgesamt die Flucht in der Literatur und den Medien als eher männliches Phänomen charakterisiert wird, sind circa die Hälfte der Geflüchteten in Deutschland Frauen. Ihre Flucht ist im Gegensatz zu der Flucht der Männer von sexueller Gewalt gekennzeichnet – ob als Fluchtgrund oder als grausame Erfahrung in den Flüchtlingscamps. Für die daraus resultierenden psychischen Langzeitfolgen sind weder die Mitarbeiter in deutschen Behörden ausreichend ausgebildet noch die gemischten Unterbringungen, teilweise ohne weibliche Vertrauensperson, angemessen. Deswegen fordert der Flüchtlingsrat NRW die räumliche Trennung von Frauen, abgeschlossene Wohneinheiten, mehr Sozialarbeiterinnen und eine angemessene Betreuung um die Traumata der Flucht verarbeiten zu können.

Im Anschluss spricht Almaz von ihren Erfahrungen. Sie kommt aus Eritrea. Ein kleiner afrikanischer Staat, geprägt durch eine undemokratische Regierung und der Perspektivlosigkeit nach dem für alle verpflichtenden Wehrdienst, während dem vor allem Frauen Opfer sexueller Gewalt werden. Die 53 jährige ist 2007 mit ihrer ältesten Tochter geflohen – legal, mit einem Visum für Italien. Diese Möglichkeit gibt es heute nicht mehr, sodass nur die Flucht über das Mittelmeer bleibt.
Almaz berichtet von einer Freundin, die ihre Flucht nur bezahlen konnte, indem sie mit dem Schleuser schlief und anschließend schwanger wurde. In Deutschland war der Weg bis zu einer Abtreibung kompliziert. Der Aufenthalt in Deutschland sei durch schlechte Unterkünfte und unzureichende Unterstützung geprägt.

In Bezug auf die Behörden seien vor allem sprachliche Barrieren und die Rückübersetzung – zum Teil durchgeführt von nicht ausgebildeten Übersetzern – problematisch.
Um die Flüchtlingsfrauen auf ehrenamtlicher Basis zu unterstützen findet ein Treffen am 12.02.2015 um 19 Uhr im Flüchtlingsrat NRW statt. Es soll sich dabei zunächst um eine Anlaufstelle für Frauen handeln.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen