Samstag, 21. Juni 2014

Wir kommen, um ihn zu holen den goldenen Weltpokal Wir werden allen den Arsch versohlen, denn Menschenrechte sind uns egal!

Weitere grandiose Graffitis finden sich hier.
Im Public Viewing fängt die Menge plötzlich an im Einklang die Nationalhymne zu singen und
hunderte Fahnen werden geschwenkt. Gerade in Hinblick auf unsere Vergangenheit weckt dies die Erinnerungen an rote Fahnen mit weißem Kreis und schwarzem Kreuz darin. Was wenn solch eine Atmosphäre - gerade nach einem verlorenen Spiel - gerade gepaart mit Alkoholkonsum irgendwann mal kippt? Auch ist die Gefahr hoch, dass rechte Parteien solche Veranstaltungen als Plattform nutzen. Der sportliche Geist weicht dem Bedürfnis nach Nationalstolz.

Schätzungen über die Gesamtkosten der WM für den öffentlichen Haushalt Brasiliens liegen zwischen 6,5 und 9,8 Milliarden Euro. Diese Gelder hätten im Gesundheitswesen, der Bildung, der Abwasser-Entsorgung, dem Personen-Transport oder der Sicherheit bessere Verwendung gefunden. Dort werden sie dringend gebraucht, nicht in überteuerten Prunk-Bauten. Die FIFA selbst wird bei dem Mega-Event etwa drei Milliarden Euro an reinem Gewinn erzielen. Im Vergleich dazu wird das Gastgeberland fast elf Milliarden Euro aus eigener Tasche investieren. Dabei müsste der durch die WM geschaffene Reichtum allen Schichten zugänglich gemacht werden.

Und genau dies lässt die FIFA nicht zu. Die schlechte Situation der Arbeiter*innen und Menschen vor Ort kann und darf nicht geduldet werden. Während des Baus der WM-Stadien sind neun Menschen ums Leben gekommen. Der Bau der Stadien musste so günstig und schnell wie möglich von der Hand gehen. Auf Sicherheit und faire Bezahlung wurde dabei kein Wert gelegt. Die direkten Gewinne der Veranstaltung des FIFA World Cups kommen nicht etwa dem Gastland zugute, sondern allein der FIFA - steuerfrei, denn die FIFA ist nach schweizerischem Recht als gemeinnützig anerkannt und somit von Steuerzahlungen befreit.

Mit der letzten Weltmeisterschaft im Jahr 2010 hat der Verband etwa 3,5 Milliarden US-Dollar eingenommen. Die FIFA ist eine Einrichtung, die für Ungleichheit, Ungerechtigkeit und blinden Konsum steht. Sie unterstützt mächtige Finanzgruppen und Investoren auf illegale Art und Weise und ist durch korrupte Strukturen im öffentlichen und privaten Bereich gekennzeichnet. Oberstes Gebot der FIFA sei es, eine elitäre Ästhetik in den Stadien zu schaffen, die keinerlei Verbindung zu kulturellen oder wirtschaftlichen Bedingungen der anderen Gesellschaftsschichten aufweise, sagt Clemente Ganz Lúcio, namhafter Gewerkschafter und Technischer Direktor für Statistik und Sozioökonomische Studien. Lúcio weiter: "Das System der FIFA ist nicht universell, sondern totalitär". Der Großteil der Bevölkerung kann sich die überhöhten Eintrittspreise nicht leisten. Die Mehrheit wird ausgeschlossen und der Sport rückt immer mehr in den Hintergrund.

Ein weiterer Punkt ist, dass mindestens 170 000 Menschen dem Neu- und Ausbau von Stadien, Straßen, Flughäfen und anderen Infrastrukturmaßnahmen weichen mussten. Tausende Familien wurden für Jahre in einfachste Hütten ohne Strom und Wasser zwangsumgesiedelt, die im Volksmund als "Mikrowellen" bezeichnet werden, da sie sich bei Sonne unerträglich aufheizen. Jede Räumung ist ein gravierender Eingriff in die Familienbiografien und reißt Lebens- und Arbeitszusammenhänge auseinander. Dadurch werden noch mehr Menschen in Armut gerissen. Bis zum Beginn des Spektakels sind bis zu 250.000 Menschen zwangsumgesiedelt worden.

Eine anderer Aspekt unseres Protests ist die Verbannung von Straßenhändlern aus dem Umkreis der Stadien. Wie bereits in Südafrika bei der letzten WM, dürfen innerhalb stadionnaher Zonen ausschließlich lizenzierte Produkte der FIFA-Sponsor*innen vertrieben werden. Das schafft Not und Armut und ist, um im Fußballjargon zu bleiben, ein Foul an Zehntausenden Familien, denen sogar dieser Teil der gesellschaftlichen Teilhabe durch Arbeit streitig gemacht wird und sie so an ihrem volkswirtschaftlich relevanten Beitrag zur Überlebensökonomie der armen Bevölkerungsmehrheit gehindert werden.

Love Football - Hate FIFA!

p.s.: Hier ist ein guter Artikel des Bundesverbands der Linksjugend ['solid]

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