Sonntag, 11. Mai 2014

Am Muttertag ehrt man die Mutter... naja ganz so einfach ist es nicht!

Der Muttertag, der heute wieder in Deutschland gefeiert wird, hat seinen Ursprung in der amerikanischen Frauenbewegung. Ann Maria Reeves Jarvis gründete 1858 die „Mothers Days Works Clubs“. Erklärtes Ziel dieser Zirkel war es die Arbeitsbedingungen ´von Arbeiterinnen und die Lebensbedingungen prekarisierter Frauen zu verbessern. Es wurden Spenden gesammelt, um eine medizinische Versorgung oder auch Betreuungen für Kinder in Form von Haushaltshilfen für Familien zu organiseren, denen ein Zugang zu solchen Ressourcen aufgrund ihrer finanziellen Notlage verwehrt blieb.
 

Im Angesicht des Schreckens des amerikanischen Bürgerkriegs und der ungeheuren Zahl an Toten, Verwundeten, Verwaisten und Verelendeten, wurden zusätzlich die „Mother´s Friendship Days“ initiiert, um Verwundeten beider Seiten und ihren Familien zu helfen.  In der Nachkriegszeit wurden dann Sitzungen von Soldatenmüttern der sich ehemals im Krieg befindlichen Nord- und Süd-Staaten abgehalten, in denen man sich für die Begründung eines Muttertags einsetzte, der nach dem erlebten Grauen unter dem Zeichen von Pazifismus und Sozialität stehen sollte.
Gleichzeitig kämpfte auch Julia Ward Howe, die Führerin der Frauenrechtpartei (1819 – 1910) für einen politisch ambitionierten Ehrentag aller Mütter, der als Antikriegstag gelten sollte.

1914 wurde der Tag dann in den USA als offizieller Feiertag anerkannt. Doch die einstigen Wegbereiterinnen und Vordenkerinnen des Feiertages wandten sich schnell von dem institutionalisierten Ritual des Feiertags ab und prangerten die zunehmende Kommerzialisierung an. Da die eigentliche Intention des Tags mehr und mehr von Profitinteressen vereinnahmt wurde und die Kernbotschaft, die Söhne nicht mehr in Kriegen für die Interessen anderer zu opfern, immer weiter in den Hintergrund gedrängt wurde, bekämpften Reeves und Howe den Tag letztlich sogar.

In Deutschland setzte sich der Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber ab 1922 für die Etablierung des Muttertags - betont unpolitisch als Tag der Blumenwünsche - ein.

Im Jahr 1933 proklamierten die Nazis den „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“, der am 20. Mai 1934, gleichzeitig mit der Einführung des NS-Mütterdienstes, erstmalig gefeiert wurde. 1938 wurde von der NSDAP das „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“ per Reichsverordnung hergestellt und am 21. Mai 1939 erstmalig verliehen. Es gab drei Voraussetzungen um dieses Kreuz zu erhalten. Mütter mussten erstens „deutschblütig“, zweitens „sittlich einwandfrei“ sein und drittens mussten ihre Kinder lebend geboren worden sein. Je nach Anzahl der Kinder erfolgte die Verleihung des Ehrenkreuzes in drei Stufen: Mütter von vier oder fünf Kindern erhielten das Ehrenkreuz der dritten Stufe, Mütter von sechs oder sieben Kindern das der zweiten Stufe. Ab acht Kindern das der ersten Stufe.
Das eigentliche Anliegen, das Eintreten für den Frieden und konsequenten Antimilitarismus des Muttertags, wurde somit durch die Nazis pervertiert. Deren Mütterideologie basierte letztlich auf dem Streben, Nachwuchs für die deutsche Wehrmacht zu bekommen und in Kriege zu ziehen.

Statt am heutigen Tag einfach nur Blumen zu verschenken, sollten wir uns gemeinsam auf die Wurzeln und die Anfänge des Muttertags, also auf die Vorarbeit Reeves' und Howes, zurückbesinnen. Die Schlüsse, die die Bewegung schon vor über 150 Jahren gezogen hat, sind und bleiben auch heute noch wahr: Kriege verlieren immer die Menschen. Immer und überall. Daher ist es so wichtig, die anhaltende Militarisierung der Gesellschaft zu stoppen, die imperialistischen Interessen von Staaten klar zu benennen und für den Frieden in der Welt zu kämpfen.

Einen pazifistischen Muttertag euch allen!

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